"Joe Colombo zählt zu den wenigen Designern des 20. Jahrhunderts, die das Prädikat „legendär“ verdienen. Geboren 1931 in Mailand, begann seine kometenhafte Karriere Anfang der 1960er Jahre als Gestalter von Möbeln, Interieurs und Industrieprodukten. Konsequent entfaltete sich sein Werk von den ersten Einzelobjekten hin zu immer modularer und komplexer angelegten Entwürfen, die sämtlich um das Wohnen der Zukunft kreisten. In die Decke eingelassene Fernseher, schwenkbare Wände mit eingebauter Minibar oder verspiegelte Deckenverkleidungen – Colombos Entwürfe hätten auch als Kulisse für James-Bond-Filme jener Jahre dienen können.
Als einer der erfolgreichsten Gestalter seiner Zeit entwarf Colombo Designklassiker wie den futuristischen Sessel Elda, Leuchten wie die Alogena und den Stuhl Universale. 1971 starb Colombo im Alter von 41 Jahren. Die Ausstellung "Joe Colombo - Design und die Erfindung der Zukunft" ist die erste internationale Retrospektive, mit der das Werk Colombos gewürdigt wird.
Die Ausstellung "Joe Colombo - Design und die Erfindung der Zukunft" ist ein Projekt des Vitra Design Museums und La Triennale di Milano in Zusammenarbeit mit dem Studio Joe Colombo, Mailand. Präsentiert werden eine Fülle bislang noch nicht gezeigter Materialien zu Joe Colombos Schaffen. Darunter sind frühe Originalstücke, Prototypen, experimentelle Stücke, aber auch viele originale Handskizzen, Pläne, Broschüren, Architekturmodelle, mehrere Filme und Originalfotos zu sehen. Bislang wurde die Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil/ Rhein, in Mailand, Manchester, Paris und Graz gezeigt.
In vier Gruppen gegliedert, folgt die Ausstellung der rasanten Entwicklung von Colombos kurzer Karriere und vermittelt einen anschaulichen Eindruck seiner großen Produktivität, die Zeitgenossen schon zu Colombos Lebzeiten faszinierte.
Mit all seinen Entwürfen strebte Colombo danach, grundlegende neue Parameter in das menschliche Umfeld einzuführen. Es sollte der Dynamik des modernen Lebens angepasst werden, mit Flexibilität auf sich wandelnde Bedürfnisse reagieren und die jeweils neuesten technischen Möglichkeiten der audiovisuellen Medien für den Wohnbereich nutzen.
Mit dem Stapelstuhl Universale nutzte Colombo erstmals die Möglichkeiten von ABS-Kunststoff für den Möbelbau. Sitzobjekte wie der Tube-Chair und der Multi-Chair zeigen, wie Colombo bei seiner Suche nach Modularität und Flexibilität von einem perfekten Formgefühl geleitet wurde. Sein eigenes Appartement von 1968 mit dem Cabriolet-Bed und der Multifunktionswand Rotoliving, das Interieur Visiona 1 sowie die komplett ausgestattete Wohnzelle Total Furnishing Unit füllten den Begriff des Gesamtkunstwerks mit neuem Leben: in ihnen verschmelzen die einzelnen Funktionen des Wohnens und Lebens zu maschinenartigen Wohnskulpturen.
Unter Designern genießt Joe Colombo Kultstatus, in der breiten Öffentlichkeit hingegen ist Colombo bislang wenig bekannt. Sein früher Tod mit 41 Jahren hat zu einer gewissen Mystifizierung geführt, die einer sachlichen Aufarbeitung und Vermittlung seines Werkes eher im Wege stand. Zu Lebzeiten war Colombo mit seinen radikalen Vorstellungen stets Außenseiter der Mailänder Designerszene und ließ sich kaum in akademische Schubladen einordnen."
(Pressetext: Grassi Museum)
| 07.04.2009 |
Di - So, Feiertage: 10 - 18 Uhr
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 3,50 Euro
