Unsere Kolumnistin kennt im Januar nur ein Ziel: Die große Barockausstellung im Museo Madre mit Beiträgen von Jeff Koons, Matthew Barney, Cindy Sherman und vielen mehr. Was Sie davor und danach in Neapel machen wird, steht hier
Hotels
Neapel ist eine der wenigen Städte in Europa, die sich trotz der Globalisierung ihre Wildheit und Verrücktheit bewahren konnten. Die Hafenstadt muss sehr reich gewesen sein – so sehr hat sie kulturell und architektonisch aus dem Vollen geschöpft. Die Grandezza ist berauschend, und die Mafia-Geschichten, die man hört und liest, machen die Stadt für mich noch geheimnisvoller. Da man in Neapel den ganzen Tag in Restaurants, Bars, Kirchen und Museen zubringt, ist die Frage der Hotelwahl nicht ganz so entscheidend.
Weniger teuer als das etwas enttäuschende Luxushotel Excelsior und ideal im Herzen der Altstadt gelegen ist das Constantinopoli 104 mit eigenem Swimmingpool (Via S. Maria di Constantinopoli 104, Tel. +39/81/ 557 10 35). Nicht weit vom Museo Archeologico bietet das Primo Piano hohe, mini-malistisch eingerichtete Räume, in denen man sich gut von der barocken Pracht der Stadt erholen kann. Die Zimmer sind Francis Bacon, Pier Paolo Pasolini oder Diane Arbus gewidmet – zum Glück sehr dezent (Via Foria 118, Tel. +39/81/19 56 06 49).
Frühstück
Der absolute Klassiker und ein Muss unter den Cafés in Neapel ist das Gran Caffé Gambrinus, hier trifft man sich seit über 150 Jahren auf einen Espresso (oder einen Cocktail vor dem Dinner) an der banca (Theke). Unter den berühmten Besuchern waren bereits Oscar Wilde und Gabriele D’Annunzio, der hier Gedichte und Lieder verfasste. Die großzügigen, hohen Räume mit Stuck, Kristallleuchtern, Skulpturen und Wandgemälden aus der Belle Époque sind herrlich nostalgisch (Via Chiaia 1 und 2, Piazza Trieste e Trento, Tel. +39/81/41 75 82).
Übrigens: Wer nach zehn Uhr morgens noch Milch im Kaffee trinkt (also Cappuccino oder Café Latte) wird in Italien nicht ernst genommen. Ich oute mich regelmäßig als Oberidiot, weil ich selbst nachmittags noch zwei Cappuccinos hintereinander bestelle.
Lunch
Für den Neapolitaner ist das Essen noch wichtiger als für den Italiener an sich. Dass die Tomaten nirgendwo besser schmecken, soll an der vulkanischen Erde rings um Neapel liegen. Auch das Wasser, mit dem hier der Kaffee gebrüht wird, soll dem Vesuv sein besonderes Aroma verdanken. Eine Theorie, die für mich absolut überzeugend klingt, ist doch eigentlich alles hier leckerer als anderswo. Allem voran die Pizza: Circa 1730 wurde sie in Neapel erfunden – gemeint ist immer die Margherita mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum.
Probieren sollte man sie in der Pizzeria La Notizia: Enzo Coccia gilt als der beste Pizzabäcker Neapels (Via Caravaggio Michelangelo 53/55, Tel. +39/81/714 21 55). Immer einen Beusch wert ist das berühmte Restaurant Europeo Mattozzi, nahe dem Castel Nuovo. Auch hier gibt es sehr gute Pizzen (Via Marchese Campodisola 4, Tel. +39/81/552 13 23).
Das La Campagnola in der Via dei Tribunali ist eine einfache Kantine mit preiswertem, aber gutem Essen, perfekt für einen schnellen Lunch im historischen Zentrum. So verliert man nicht viel Zeit bei den Kirchenbesichtigungen (Via dei Tribunali 47, Tel. +39/81/45 90 34).
Weit mehr Zeit sollte man für einen Lunch im Rosiello einplanen, das ein kurze Taxifahrt vom Zentrum entfernt liegt. Einzig der absolut herrliche Blick über die Gärten auf das Meer und auf Capri lenkt hier von den Köstlichkeiten ab – wie zum Beispiel mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten, die wie alles Gemüse hier aus dem eigenen Garten kommen (Via Santo Strato 10, Tel. +39/81/769 12 88).
Dinner
Das wahrscheinlich beste Lokal für Fisch ist die winzige Osteria da Dora, wo das einfachste Gericht wie Linguine al Vongole zum Festmahl wird. Der frische Fisch wird hier auf einem Holzkohlegrill zubereitet. Es soll eine wie die Callas singende Bedienung geben, die habe ich aber immer verpasst (Via Ferdinando Palasciano 28, Tel. +39/81/68 05 19).
Die von Decke bis Boden mit Majolikafliesen aus dem 18. Jahrhundert ausgekleidete Osteria della Mattonella (mattonella heißt Kachel) ist ein wunderschöner Ort, um einfache Pasta alla Genovese zu essen, das Menü hat sich seit zehn Jahren nicht geändert (lassen Sie sich vom Kellner aber auf keinen Fall in den Keller schicken!) (Via Giovanni Nicotera 13, Tel. +39/81/41 65 41).
Shopping
Ein tolles Mitbringsel: neapolitanische Schokopralinen, die man am besten bei Gay-Odin kauft (Via Toledo 214, Tel. +39/81/40 00 63, und Via Toledo 427, Tel. +39/81/551 34 91). Ich habe auch immer noch jedes Weihnachten meine Freude an der Krippe aus Korkrinde und Moos, die ich in dem kleinen Laden Giuseppe und Marco Ferrigno zwischen der Kirche San Lorenzo Maggiore und Via Tribunali gekauft habe (Via San Gregorio Armeno 8, Tel. +39/81/552 31 48).
Kunst
Der Platz wird nicht ausreichen, die Schätze Neapels zu beschreiben. Absolutes Must-see neben der Barockausstellung im Museo Madre (Via Settimbrelli 79, Tel. +39/81/19 31 30 16) ist das großartige Museo Archeologico Nazionale mit den wunderbarsten, mir zum Teil unbekannten römischen Skulpturen und Mosaiken (Piazza Museo, 19, außer Dienstag täglich geöffnet von 9–20 Uhr, Tel. +39/81/44 01 66).
Nach den großen Hallen des Museums sollte man direkt in das kleine Museo Cappella Sansevero gehen, mit dem überirdisch schönen, liegenden, verhüllten Christus, der komplett aus Marmor gehauen ist. Es ist einfach nicht zu verstehen, wie man einen so zarten Schleier und Gesichtsausdruck aus dem harten Material zaubern kann. Die Schönheit dieses Werks berührt mich zutiefst (Via Francesco De Sanctis 19/21, außer Dienstag täglich geöffnet 10–17.40 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 10–13.10 Uhr, Tel. +39/81/551 84 70).
Nicht weit davon liegt die Kirche Pio Monte della Misericordia (Via dei Tribunali 253, Tel. +39/81/44 69 44) mit dem großartigen, revolutionären Caravaggio „Die sieben Werke der Barmherzigkeit“ (geschaffen, nachdem er wegen eines Mordes Rom verlassen musste). Die Kirche San Gregorio Armeno ist von allen Barockkirchen, die ich kenne, die verrückteste – es gibt keinen Millimeter weiße Wand (Via San Gregorio Armeno 1, Tel. +39/81/420 63 85).
Von speziellem Charme sind auch die Totenschädel aus Messing, die vor der Santa Maria delle Anime del Purgatorio ad Arco auf Säulen stehen und von Robert Mapplethorpe fotografiert wurden (Via Tribunali, Tel. +39/81/551 95 47).
Für Zeitgenössisches lohnt sich ein Besuch in der Galerie von Giangi Fonti (Via Chiaia 229, Tel. +39/81/41 14 09), bei Raucci Santamaria (Corso Amedeo di Savoia 190, Tel. +39/81/744 36 45) und in der Fondazione Morra Greco (Largo Proprio D’Avellino 17, Tel. +39/81/33 36 39 50 93).
Das Beste zum Schluss
Der Spezialkaffee „Nocciolato“ im Caffé Reginella – eine Art warme Praline mit Koffeinschub, für die ein Löffel luftig geschlagene Nusscreme unter einen Espresso gemischt wird. Allein für ein Tässchen hiervon würde ich immer wieder nach Neapel fahren (Via Toledo 356/357, Tel. +39/81/412804).
| 22.01.2010 |
