Monopol
Donnerstag, 11. März 2010 23:00 Uhr
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Nr. 1/2010 Januar
East Bound im Düsseldorfer Kai 10 versammelt osteuropäische Künstler

Die besten Ideen kommen unterwegs. Zdenek Felix saß im Oktober 2007 in der Londoner U-Bahn und ließ die Arbeiten von Goshka Macuga Revue passieren, die ihn auf der Frieze Art Fair gefesselt hatten. Auf der Circle Line fahren die Pendler Westbound oder Eastbound. Und weil der Kurator ohnehin über Künstler aus Osteuropa nachdachte, die zwischen Ost und West pendeln, blinkte auf seiner inneren Anzeigetafel unvermittelt die Ausstellungsidee für „East Bound“ auf.
Der gebürtige Tscheche Felix, der seine Heimat bereits 1968 in Richtung Westen verließ, bringt im Kai 10 fünf Künstler der mittleren Generation zusammen, die den Anschluss an die internationale Kunstszene geschafft haben. Und das bei schlechten Voraussetzungen in ihren Herkunftsländern Polen, Tschechien, Slowakei, Russland und Ukraine.

Es fehlt an kultureller Infrastruktur, an Sammlern, Galerien und Kunstinstitutionen. Wahrgenommen werden Künstler anderswo. Die Losung heißt: Umzugskisten packen, mindestens aber die Koffer, am besten mehrmals im Monat. So lebt Ján Mancˇuška, Schöpfer komplexer Text-Bild-Environments, abwechselnd in Prag, Berlin und New York. Die Russin Anna Parkina arbeitet allerdings – der Ruhe wegen – vorzugsweise in Moskau. Ihre Collagen und Skulpturen kreuzen russischen Konstruktivismus mit westlichem Lifestyle. Brückenschläge prägen die Ausstellung: Verbindungslinien zwischen Ost und West, Einst und Jetzt, Tradition und Postmoderne.

Parkinas Landsmann Pavel Pepperstein verwirbelt in seiner Serie „Suprematist Studies of the Greek Myths“ russische Moderne und griechische Antike. So galoppiert ein Zentaur gegen eine Armada von Malewitsch-Dreiecken an. Als Spiel mit oszillierenden Identitäten lässt sich auch das fotografische Werk von Markéta Othová begreifen. Die Tschechin kitzelt die Wahrnehmung des Betrachters, indem sie Zwillingsbilder präsentiert, die aber nur scheinbar ein und dasselbe Motiv in komplementären Versionen zeigen.

Während Othová in der internationalen Kunstwelt noch als Geheimtipp gehandelt wird, zählt Goshka Macuga schon zu ihren festen Größen. Die polnische Künstlerin ist mit einer Figurengruppe vertreten: Akteure des modernen, westlichen Kunstbetriebs, skeptisch betrachtet. „Die Künstlerin“ kauert schutzlos-nackt auf einem kaltblauen Quader. „Der Kurator“ lehnt erschöpft und immobil an einen Baum. Ein Ort der Inspiration?

Kai 10 – Raum für Kunst, Düsseldorf, 23. Januar bis 27. März

 

 

Jens Hinrichsen
Aus der Ausgabe
Nr. 1/2010 Januar
Seite 104

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22.01.2010
 
 
 
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