Vier nackte Prostituierte, die Körper und Gesichter kantig und wie afrikanische Stammesmasken dargestellt – das Bild „Les Demoiselles d’Avignon“ ist nicht nur eines der bekanntesten von Picasso, es markiert auch den Höhepunkt moderner Malerei. Es gleicht einer Frechheit, dass Nelson Rockefeller Piet Mondrian beauftragte, einen Wandteppich des Bildes herzustellen und ihm so jegliche erotische und aggressive Durchschlagskraft zu nehmen. Bloß, um sein Haus zu dekorieren.
Wie funktioniert die Verbindung von Kunst und Architektur? Wer schmückt wen und zu welchem Zweck? Diese Fragen verfolgt Christian Bjone in seinem Buch „Kunst + Architektur. Wege der Zusammenarbeit“, in dem er Beispiele ab 1914 analysiert, in denen Künstler und Architekten im öffentlichen Raum zusammengearbeitet haben. Seine Ausgangsposition: „Das gemeinsame soziale Ziel von Architektur und Kunst ist eine Illusion.“
Wird die Kunst zur Möblierung degradiert, muss sie scheitern. Wie auf dem Platz des Federal Centers in Chicago: Hier hat sich Alexander Calders leuchtend rote Skulptur, die an einen tropischen Vogel erinnert, wie aus einem anderen Universum stammend zwischen Mies-van-der-Rohe-Bauten niedergelassen. Nun konnte Mies die 16 Meter hohe Skulptur nicht mehr selbst aussuchen, er war bereits verstorben. Und Calder wurde nicht einmal in den Entscheidungsprozess für den genauen Standort einbezogen. „Er produzierte bloß“, wie Bjone es ausdrückt. Ohne jeglichen Bezug.
Zwar gehen für Christian Bjone die verschiedenen Konzepte nie ganz auf, doch er bietet eine Lösung: Das Wort Zusammenarbeit muss aufgegeben werden. Es gibt nur Widerstand, der kreativ genutzt werden muss. Künstler wie Olafur Eliasson oder Richard Serra wissen das.
Unlängst war in Berlin ein geglücktes Beispiel zu sehen: Thomas Demand benutzte in seiner Ausstellung „Nationalgalerie“ Vorhänge, um seine Fotografien zu präsentieren. Er reichte so – einfach, aber wirksam – Mies van der Rohe imaginär die Hand und zeigte, wie das Zusammenspiel von Kunst und Architektur funktionieren kann, ohne dass das eine vom anderen verdrängt wird.
Christian Bjone: „Kunst + Architektur. Wege der Zusammenarbeit“. Birkhäuser, 192 Seiten, 59,90 Euro
| 22.01.2010 |
