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Donnerstag, 11. März 2010 23:01 Uhr
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Nr. 7/2009 Juli
Fliehende Pferde in der Punta della Dogana: François Pinault eröffnet nach dem Palazzo Grassi das zweite Renommierhaus für seine Sammlung

Wer wollte das nicht: sich eine Adresse in Venedig kaufen? Der französische Unternehmer und Sammler François Pinault hat jetzt schon die zweite in der Sammlung. Gerade ist sein 33-jähriger Pachtvertrag für den Palazzo Grassi unter Dach und Fach, da eröffnet er pünktlich zur Venedig-Biennale die Punta della Dogana als neuen, prächtigen Ausstellungsraum. Das ehemalige Hafengebäude, das seit drei Jahrzehnten für die Öffentlichkeit geschlossen war, wurde von dem japanischen Architekten Tadeo Ando in der mittlerweile bewährten Mischung aus Alt und Neu restauriert: Zwischen sorgfältig freigelegtem historischem Mauerwerk schaffen sachliche Kuben aus Zement den geeigneten Ausstellungsraum für die pinaultsche Sammlung.
„Mapping the Studio“ ist der von Bruce Nauman entliehene Titel der Eröffnungspräsentation. Aber die Kuratoren Francesco Bonami und Alison M. Gingeras haben darin alles andere als die versprochene Atelier-Intimität hergestellt: Hier stehen frisch auf dem Kunstmarkt zusammengeklaubte Kracher Spalier und protzen sinnlos herum. „Blood“ heißt der rote Vorhang von Felix Gonzalez-Torres, durch den man in den Eingangsraum kommt – das ambivalente Menetekel wird als Show-Entree missbraucht. Dahinter wissen ein halbes Pferd von Maurizio Cattelan und ein Haufen abgegossener Stuhlzwischenräume von Rachel Whiteread nicht im Mindes­ten, was sie miteinander anfangen sollen. Es folgen Räume voll von Polke, Fischli/Weiss, Mike Kelley, immer im XXL-Format und frisch aus einer Großgalerie.
Der kuratorische Zugriff ist stellenweise geradezu brutal: Die leise erotisierten Werkzeugzeichungen von Lee Lozano werden auf einer Genital-Tapete von Robert Gober skrupellos in Richtung Porno eindeutig gemacht, und die Kombination von Cattelans nachdenklichen Skulpturen von mit Tüchern bedeckten Leichen („All“) und Hiroshi Sugimotos ästhetisierten Modepuppenfotografien aus der „Stylized Sculpture“-Serie ist nur noch zynisch. So bleibt nach dem Rundgang durch das neue Renommierhaus nur ein Trost: Geschmack, Stil und Respekt vor der Kunst sind für Geld nicht zu bekommen.
 

Elke Buhr
Aus der Ausgabe
Nr. 7/2009 Juli
Seite 35

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23.07.2009
 
 
 
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